Wie sieht eine „artgerechte Menschenhaltung“ aus?

Von | 2018-07-23T14:29:19+00:00 18. Juli 2018|

Auf die Frage, was ihnen im Leben besonders wichtig ist, antworten 90% der Deutschen mit „Gesundheit“. Wir tun vieles, um diese zu erhalten. Wir ernähren uns gesund, treiben Sport, fahren sichere Autos und bauen stabile Häuser. Aber wir bewegen uns zu wenig an frischer Luft. Die Raumluft ist unser wichtigstes Lebensmittel.

Wir verbringen im Schnitt 20 Stunden am Tag in geschlossenen Räumen. Dabei atmen wir alles ein, was Baustoffe und Möbel, Textilien, Farben oder Kleber, Böden und Putzmittel aus den Oberflächen über die Jahre hinweg ausdünsten. Viele Symptome bringt man nicht damit in Verbindung. Für ständige Erkältungen, Rheuma, Allergien, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, schnelle Ermüdung, Kopfschmerzen, Hautausschlag, depressive Verstimmungen, rissige Haut, Augenentzündungen, usw. können jedoch die Ursachen dort liegen.

Um langfristig gesund in den eigenen vier Wänden zu leben, ist es wichtig zu wissen, mit welchen Stoffen ich mich umgebe. Ein wenig Recherche ist da schon notwendig. Doch die lohnt! Die Baubiologie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Baumaterialien und des gesamten Wohnumfeldes auf den menschlichen Organismus. Alle künstlichen Stoffe, die sich der Mensch ausgedacht hat, tragen das Potential der Schädigung. Denn es gibt mittlerweile Hunderttausende künstlich hergestellter chemischer Verbindungen. Von ihnen sind weniger als 10.000 wirklich untersucht. Und: Sie werden nur einzeln getestet. Grenzwerte sagen nichts darüber aus, ob sie in Kombination mit anderen Materialien nicht doch schädlich sind.

Während in Europa bis zu Beginn und teils bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch 60-70% „neutrale Baustoffe“ wie Ziegel, Lehm, Kalk und 30-40% vegetabile Baustoffe wie Holz, Kork, Stroh verwendet wurden, sind es heute nur noch 10-20% „neutrale“ und 1-5% vegetabile Baustoffe – aber 80-90% harte und synthetische Materialien wie Beton, Stahl, Glas und vor allem Kunststoffe. Diese finden sich nicht nur in Kabeln, Laminaten, Teppichen und Einrichtungsgegenständen, sondern auch in Farben, Putzen, Ölen und Lacken. Es treten elektrostatische Aufladungen auf, die die negativen Ionen dezimieren. Folge sind geschwollene Schleimhäute, trockene Augen, Schnarchen,…

Orientierung bieten Prüfsiegel wie die Euroblume vom Verband der biologischen Baustoffhändler oder engagierte Menschen, wie in der Arbeitsgemeinschaft kontrolliert deklarierter Rohstoffe e. V. (Arge kdR) mit ihrem Ampelsystem für Inhaltsstoffe (www.positivlisten.info) oder in der Deutschen Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie (www.dguht.de).

Fragen Sie bei allen Oberflächenbehandlungen, Kleistern und Dämmstoffen nach einer Voll-Deklaration. Im Baubiologischen Fachhandel ist das schon seit zig Jahren Standard. Die Antwort heute heißt also: wieder stärkere Verwendung der überlieferten neutralen und vegetabilen Baustoffe. Sie sind den heutigen Materialien in vielerlei Hinsicht überlegen.

Ihre positiven Auswirkungen aufs Bio-Klima in unseren Wohnungen und Häusern sind stabile Gesundheit und Wohlbefinden, geordneter Stoffwechsel, gute Durchblutung der Haut, starkes Immunsystem, Harmonie und Lebensfreude.

Karl-Heinz Ursprung, Waldbüttelbrunn

Baubiologe IBN und Bauberater kdR

www.ursprung-baubiologie.de

 

 

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