Finger weg vom Styropor!

Von | 2018-07-23T15:43:06+00:00 1. Februar 2017|

Mit dem Flammschutzmittel HBCD ausgerüstete Dämmplatten wurden ab September 2016 als Sondermüll eingestuft. Mit Recht! HBCD ist ein Umweltgift.

Es gilt zwar nicht als akut toxisch für den Menschen, reichert sich jedoch in lebenden Organismen an und kann die Entwicklung von Embryonen und Säuglingen negativ beeinflussen. Es ist sehr langlebig. Der Stoff verteilt sich über weite Entfernungen und reichert sich sogar weitab industrieller Aktivitäten an, zum Beispiel in arktischen Regionen. Jeder hat es bereits im Blut.

80% unserer Hausdämmungen wurden mit Polystyrol gedämmt

Die hohen Entsorgungskosten bleiben beim Bauherrn bzw. indirekt beim Mieter hängen. Die Industrie setzt jetzt ein anderes Flammschutzmittel ein – weniger(!) problematisch soll es sein. Doch was weiß man in zwanzig Jahren darüber, wenn die Dämmung möglicherweise erneuert werden muss? In der Dämmung aus PU-Schaum finden sich andere Flammschutzmittel mit im Prinzip der gleichen Problematik. Scheidet also aus. Bleiben noch die Mineralwolldämmplatten als billige Variante. Doch Achtung! Ihre Dämmwirkung im Vergleich zu den teureren Naturdämmstoffen über den angegebenen u-Wert zu beurteilen, wäre nur die halbe Wahrheit. In der Praxis zeigt es sich, dass mehr Heizaufwand betrieben werden muss, als auf alleiniger Basis dieses Wertes errechnet wurde.

Wichtige physikalische Gegebenheiten werden ausgeblendet

Denn dieser (statische) u-Wert berücksichtigt nicht wechselnde Temperaturen und auch nicht das Phänomen der „gefühlten Kälte“, die durch Wind eine andere ist als die gemessene. Der leichte Dämmstoff Mineralwolle verliert viel schneller bei Wind oder Abkühlung in der Nacht die in ihm gespeicherte Wärme. Ganz anders der Naturdämmstoff.

Auf Grund seiner höheren Dichte und des höheren Gewichtes hält er die eingespeicherte Wärme länger fest

Dieser Effekt, die gespeicherte Wärme im Winter langsamer nach außen abzugeben zeigt sich im Sommer in entgegengesetzter Richtung. Während bei Mineralwolle die Mittagshitze spätestens am späten Nachmittag im Innenraum angekommen ist, geschähe das beispielsweise bei Hanf erst in der Nacht. Da es aber außen schon wieder abgekühlt hat, kommt die Wärme der größten Tageshitze überhaupt nicht in den Raum.

Die z.Z. gültige Energiesparverordnung geht von einer Gleichwertigkeit folgender Wandaufbauten aus: 24 cm Ziegel-Mauerwerk sei gleichwertig zu 1,6 mm Polystyrol, denn Us = 2,5 W/Km². Ein solcher Gleichwertigkeitsvergleich ignoriert den dynamischen Dämmwert. Er steht im Widerspruch zur praktischen Vernunft (Quellen: https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/haeufige-fragen/lambda-wert, https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/bauphysik/kritik-der-bauphysik).

Weitere Vorteile der Naturdämmstoffe am Beispiel Hanf (in Reinform, ohne Polyester)

  1. Die Dämmwirkung nimmt erst bei 17% Feuchtigkeitsaufnahme ab. Man braucht keine Dampfsperren, wie bei der Mineralwolle, deren Dämmwirkung sofort nachlässt.

  2. Ein diffusionsoffenes Dämmsystem birgt keine Schimmelgefahr und erfordert viel weniger Aufwand beim Lüften.

  3. Sie schaffen eine gesunde Wohnatmosphäre. Denn sie puffern Wärme und Feuchtigkeit und können Schadstoffe über lange Zeit aus der Raumluft filtern.

  4. Mit ihrem besseren sommerlichen Wärmeschutz bleibt das Dachgeschoß bis zum Abend kühl.

  5. Sie schützen besser vor Schall.

  6. Die Naturstoffe sind dem menschlichen Organismus vertraut und bergen keine Gesundheitsgefahr.

  7. Ihre vorteilhaften Eigenschaften erhöhen den Wert ihrer Immobilie.

  8. Sie sind weitaus langlebiger. (Hanf: 100 Jahre)

  9. Keine Entsorgungskosten, wenn der Naturdämmstoff nicht mit Kunststoffen (Polyester) verunreinigt ist.

  10. Durch geringen Energieaufwand in der Herstellung und seiner Langlebigkeit ergibt sich eine weitaus höhere Energieeinsparung. Das Klima wird zusätzlich durch das im Dämmstoff gebundene CO2 entlastet.

Karl-Heinz Ursprung, Baubiologe IBN, Waldbüttelbrunn

 

Foto: GettyImages