Dielen und Parkett: Geölt ist nicht gleich geölt

Von |2018-07-23T15:54:34+02:002. Dezember 2016|

Viele Menschen verspüren Lust auf ein gemütliches Heim und natürlicher Umgebung. Entsprechend gestiegen ist die Nachfrage nach hochwertigen Dielen für Haus oder Wohnung. Mit einer geölten Oberfläche versehen stehen die Böden für eine gemütlich-behagliche Wohnatmosphäre.

Doch Vorsicht: Geölt ist nicht gleich geölt. Nicht selten wird eine geölte Oberfläche versprochen, hinter der sich jedoch eine Behandlung mit einem industriell aufgetragenen UV-Öl mit hohem Lackanteil verbirgt.

Auch wenn das Wort Öl eine scheinbare Natürlichkeit assoziiert, haben wir es bei diesen Materialien mit chemisch-synthetischen Hightech-Produkten zu tun. Neben dem Öl als Einzelkomponente kommen hier z.B. mehrfach ungesättigte Acrylatester, Polyurethane, Epoxide, Epoxyacrylate etc., sogenannte reaktive Harze, zum Einsatz. Um die Viskosität herabzusetzen werden Reaktivverdünner eingesetzt, wie z.B. Dipropylenglykoldiacrylat oder Hexandioldiacrylat. Und schließlich benötigt man noch Photoinitiatoren (wie z.B. Benuzophenone, Phenylketone,etc.), die die UV-Trocknung überhaupt erst starten.

Die meisten der herkömmlichen Stoffe sind entweder äußerst reizend, gesundheitsschädlich, aggessiv oder giftig

Die Komponenten müssen vor der UV-Bestrahlung ganz sorgfältig im richtigen Verhältnis gemischt werden. Eventuelle Ausgasungen können nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. UV-getrocknete Öle bilden nichts anderes als lackähnliche Oberflächen. Beschädigungen können im Gegensatz zu wirklich naturgeölten Oberflächen nur ganzflächig durch Abschleifen repariert werden. Zudem bleibt der direkte Kontakt zum Holz und die Atmungsaktivität durch die Schichtbildung gänzlich auf der Strecke.

Soll der Naturboden seinen ganzen Charme dauerhaft entfalten, leicht zu pflegen sein und sich von Schäden schnell regenerieren, ist eine Oberflächenbehandlung mit einem Sauerstoff härtenden Naturöl notwendig.

Dieses schonende Verfahren ist technisch und zeitlich bedeutend aufwändiger:

  • Zuerst wird das Holz erwärmt, so dass sich die Poren öffnen.

  • Dann wird das Naturöl aufgetragen.

  • Es bildet unter der Oberfläche feine Kristalle, die dort aushärten.

  • Zwölf Stunden haben die Naturholzböden Zeit zum Lufttrocknen,

  • bevor ein zweiter Auftrag die Behandlung wiederholt.

Diese Zeit erhalten die Hölzer bei der UV-Ölung nicht. Sofort nach der Behandlung werden die Dielen verpackt. Das geht zu Lasten der natürlichen Patina des Rohstoffes. Die Oberflächen wirken nach einer Behandlung mit UV-Ölen wie lackiert, während Sauerstoff gehärtete Böden ihren warmen Seidenglanz voll entfalten.

Die aufwändige Spezialbehandlung mit echtem Naturöl soll dem Boden eine hohe Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit geben

Die Oberfläche wird antistatisch. Verunreinigungen lassen sich leicht beseitigen und Schadstellen, die bei UV-geölten Flächen wie Lackfehler wirken und  besonders unangenehm ins Auge fallen, problemlos ausgleichen. Einwirkungen durch Feuchtigkeit bei der normalen Unterhaltspflege wirken bei Sauerstoff gehärteten Böden sogar regenerierend. Denn herab gedrückte Holzzellen werden während des Trocknungsprozesses wieder in ihre Ausgangspositionen zurückgeführt – ein heilender Prozess, der bei mit UV-Ölen behandelten Flächen nicht möglich ist.

Wer also Wert auf Natürlichkeit legt, bringt die Schönheit des Holzes mit natürlichen Ölen am besten zur Geltung.

Karl-Heinz Ursprung, Baubiologe, Waldbüttelbrunn

 

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